Flexible Arbeitszeiten: Vorteile und Nachteile der Flexibilität

Immer mehr Arbeitnehmer haben flexible Arbeitsmodelle. Das bedeutet mehr Flexibilität für Beschäftigte und Arbeitgeber, ist aber auch mit einigen Herausforderungen verbunden.

Flexible Arbeitszeiten: Vorteile und Nachteile der Flexibilität

Der Arbeitstag beginnt um 9 Uhr und endet um 17 Uhr – dieses Modell der festen Arbeitszeiten ist für viele Arbeitnehmer nicht mehr zeitgemäß. Bei ihrem Lebensentwurf geht es oft darum, eine bessere Work-Life Balance zu schaffen und folglich weniger zu arbeiten. Wünschst du dir von deinem aktuellen Arbeitgeber flexiblere Arbeitszeiten oder bist du gerade auf der Suche nach einem neuen Job und favorisierst flexible Arbeitsmodelle? Dann empfehlen wir dir, dich vorab mit den Vor- und Nachteilen der Flexibilität am Arbeitsplatz zu befassen.

Unsere 3 Top-Tipps zu flexibleren Arbeitszeiten

  • Informiere dich gründlich über die Vor- und Nachteile eines Arbeitszeitmodells, bevor du dich dafür entscheidest. Überlege auch, ob es zu deinen Lebensumständen und deinem Charakter passt.
  • Halte möglichst viele Details vertraglich fest, wenn du individuelle Vereinbarungen mit deinem Arbeitgeber treffen kannst.
  • Schaffe dir auch bei einer freien Einteilung deiner Arbeitszeiten Ruhephasen und trenne das Berufliche vom Privaten.

Warum werden flexiblere Arbeitszeiten immer wichtiger?

Gehörst du zu den sogenannten Millennials? Studien zufolge wünscht sich die Generation der zwischen 1980 und 1995 Geborenen Selbstbestimmung und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Privat- und Berufsleben. Dabei spielen flexible Arbeitszeiten eine wichtige Rolle. Die Vorteile der Flexibilität sind:

  • Familienleben: Flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Partner können Arbeitszeiten besser aufeinander abstimmen und mehr Zeit miteinander und den Kindern verbringen.
  • Ruhephasen: Erfasste Arbeitsstunden lassen sich ausgleichen. So kann nach einer Phase der Mehrarbeit ein Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag geschaffen werden.
  • Weiterbildung: Die flexible Koordination der Arbeitszeit erleichtert es, neben dem Beruf zu studieren oder sich weiterzubilden.
  • Alltagsplanung: Oft lassen sich Termine nicht außerhalb der Arbeitszeit vereinbaren. Mehr Flexibilität erlaubt es, Arzttermine oder Behördengänge wahrzunehmen, ohne dafür Urlaub nehmen zu müssen.

Unternehmen konkurrieren auf dem Arbeitsmarkt um qualifizierte Mitarbeiter. Um für Bewerber attraktiv zu bleiben, um die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter zu steigern und sie langfristig an das Unternehmen zu binden, bieten viele Arbeitgeber Modelle mit flexibleren Arbeitszeiten an.

Flexible Arbeitszeitmodelle: Ein Überblick

Es gibt verschiedene flexible Arbeitsmodelle, die auch flexible Arbeitszeiten beinhalten. Einige Arbeitgeber entscheiden sich für ein Modell, andere ermöglichen eine Kombination verschiedener Modelle. Interessierst du dich für flexible Arbeitszeiten und möchtest mehr über die Vorteile und Nachteile der unterschiedlichen Arbeitszeitmodelle erfahren? Als Bewertungsgrundlage haben wir eine Zusammenfassung für dich erstellt:

Teilzeit

Arbeitest du in Teilzeit, weicht deine individuell vereinbarte Arbeitszeit von der betrieblich vereinbarten Regelarbeitszeit ab. Statt 40 Stunden arbeitest du dann beispielsweise 25 Stunden pro Woche. Zudem lässt sich festlegen, ob du jeden Tag weniger Stunden arbeitest oder an bestimmten Tagen ganztags und an den übrigen entsprechend weniger.

Auch wenn die Arbeit nicht unbedingt frei eingeteilt werden kann, bietet die Teilzeit aufgrund eines gewissen Gestaltungsspielraums flexible Arbeitszeiten. Die Vorteile des Modells liegen auf Arbeitnehmerseite vor allem in der reduzierten Arbeitszeit. Die Teilzeit ermöglicht es dir, auch dann zu arbeiten, wenn du keiner Vollzeittätigkeit nachgehen kannst oder möchtest. Grundsätzlich ist das auch nur für einen begrenzten Zeitraum möglich. Reduzierst du deine Arbeitszeit etwa nur während der Elternzeit, bleibst du weiter im Unternehmen und in deinen Tätigkeitsbereich eingebunden. Der Wiedereinstieg in Vollzeit ist so einfacher.

Zu den Nachteilen der Teilzeitarbeit gehört, dass innerhalb des Tätigkeitsbereiches mehr Aufwand für die Arbeitsorganisation und -abstimmung unter den Kollegen notwendig ist. Zudem lassen sich nicht alle Tätigkeiten effizient in Teilzeit ausüben. Dazu gehören beispielsweise leitende Positionen.

Gleitzeit

Bei Gleitzeitmodellen legt der Arbeitgeber Kernarbeitszeiten und Gleitzeitspannen fest. Während der Kernarbeitszeit musst du im Büro sein, etwa von 10 bis 16 Uhr. Innerhalb der Gleitzeitspannen legst du Beginn und Ende deiner Arbeitszeit selbst fest. So kannst du beispielsweise zwischen 7 und 10 Uhr mit der Arbeit beginnen und zwischen 16 und 19 Uhr nach Hause gehen. Die Arbeitszeit – auch anfallende Über- oder Minusstunden – werden in der Regel in einem Arbeitszeitkonto erfasst. Überstunden werden je nach Regelung entweder vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen.

Die Gleitzeit ermöglicht dir eine flexible Gestaltung deiner Arbeitszeiten. Zu den Vorteilen gehört, dass du deine Büropräsenz innerhalb eines gewissen Rahmens täglich spontan festlegen kannst. Dadurch kannst du zum Beispiel auch kurzfristig wichtige private Termine wahrnehmen. Zudem ermöglicht es dir das Modell, deine Arbeitszeit nach deiner individuellen Leistungsfähigkeit auszurichten: Bist du beispielsweise am frühen Morgen am produktivsten, kannst du deinen Arbeitsbeginn auf 7 Uhr legen.

Zu den Nachteilen gehört, dass flexiblere Arbeitszeiten immer mit einem gewissen organisatorischen Aufwand verbunden sind. Zudem haben die meisten Unternehmen genaue Regelungen zu Kernarbeitszeiten, Gleitzeitspannen sowie Plus- und Minusstunden.

Langzeitarbeitskonten

Bei dem Modell der Langzeitarbeitskonten wird auf Basis der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit eine Stundenzahl errechnet, die innerhalb des jeweiligen Zeitraums geleistet werden muss. Auch Plus- und Minusstunden werden erfasst. Wird beispielsweise eine Jahresarbeitszeit festgelegt, kannst du deine tägliche und wöchentliche Arbeitszeit selbst bestimmen. Voraussetzung ist, dass die Stundenzahl am Ende des Jahres stimmt.

Langzeitarbeitskonten ermöglichen dir sehr flexible Arbeitszeiten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Du teilst dir deine Arbeitszeit frei ein bzw. reduzierst sie nach Phasen mit hohem Arbeitsaufkommen. Du hast außerdem die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum Überstunden zu sammeln, um sie später mit einem Urlaub oder einer kleinen Auszeit vom Job abzufeiern. Die Bezahlung bleibt über den gesamten Zeitraum konstant.

Als unternehmerische und individuelle Herausforderung bei Langzeitarbeitskonten ist die vorausschauende Planung zu nennen. Damit die Arbeitszeit am Ende des Bemessungszeitraums innerhalb des vorgegebenen Rahmens liegt, musst du dein Stundenkonto permanent im Blick behalten. Dabei müssen auch Phasen mit geringem Arbeitsaufkommen berücksichtigt werden. Zudem sorgen nicht ausgeglichene Langzeitarbeitskonten regelmäßig beim Ausscheiden aus dem Unternehmen für Konflikte.

Vertrauensarbeitszeit

Flexiblere Arbeitszeiten als diese gibt es kaum. Das Arbeitszeitmodell beruht auf dem Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern. Die Kontrolle der Arbeitszeiten und Anwesenheit durch den Arbeitgeber entfällt fast vollständig. Stattdessen werden konkrete Aufgaben und Ziele festgelegt, die zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllt werden müssen. Grundlage für die Entlohnung ist aber immer die vertraglich festgelegte Arbeitszeit.

Im Idealfall führt die vollkommen selbstständige Einteilung der Arbeitszeit zu einer hohen Effizienz und Zufriedenheit. Damit die fixierten Ziele erreicht werden, muss jeder Mitarbeiter in hohem Maße selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten. Es ist außerdem zu berücksichtigen, dass auch bei diesem Modell Überstunden aufgrund gesetzlicher Bestimmungen erfasst werden müssen, in der Praxis aber selten ein Abbau möglich ist. Ist die Erreichung der Ziele zeitaufwendiger als gedacht, arbeitest du unter Umständen mehr und am Wochenende – bei gleichem Gehalt. Zudem sind Vertrauensarbeitszeiten nicht in allen Tätigkeitsbereichen möglich.

Home-Office

Home-Office-Regelungen ermöglichen dir, einen Teil deiner Arbeit außerhalb des Unternehmens zu erledigen. So kannst du beispielsweise 20 Prozent deiner wöchentlichen Arbeitszeit im Home-Office verbringen. Wie genau die Regelungen aussehen, legt der Arbeitgeber fest.

Die Arbeit von zu Hause ermöglicht dir nicht immer flexible Arbeitszeiten. Zu den Vorteilen gehören aber der Wegfall der Anfahrtszeit und die geringeren Anfahrtskosten. Dadurch hast du mehr Zeit für Familie, Hobbys oder wichtige Termine.

Die Arbeit im Home-Office ist aber nicht immer möglich. Neben dem organisatorischen Aufwand im Unternehmen müssen gewisse technische Voraussetzungen erfüllt werden. Du benötigst einen an deine Aufgaben angepassten Arbeitsplatz. Dabei müssen auch Aspekte der Sicherheit und des Datenschutzes berücksichtigt werden. Zudem lässt man sich zu Hause leicht ablenken. Probiere einfach aus, wie produktiv du im Home-Office arbeitest.

Jobsharing

Das Jobsharing ist ein Modell der Teilzeitarbeit, bei dem sich zwei oder mehrere Arbeitnehmer eine Vollzeitstelle teilen. Die Aufteilung der Arbeitszeit und Aufgaben erfolgt individuell. So kannst du beispielsweise 60 Prozent der Stelle übernehmen und dein Sharing-Partner 40 Prozent.

Das Jobsharing ermöglicht dir, deine Arbeitszeit zu reduzieren. Grundsätzlich ist das natürlich auch bei einer normalen Teilzeitstelle möglich. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass das Jobsharing auch bei Tätigkeiten möglich ist, bei denen Teilzeit sonst unüblich ist. Da eine komplette Vollzeitstelle übernommen wird, kannst du beispielsweise auch eine Führungsposition in Teilzeit ausüben.

Das Modell ist nur möglich, wenn sich die Sharing-Partner vertrauen und gut zusammenarbeiten. Du solltest ein echtes Organisations- und Kommunikationstalent sein, denn auch die Abstimmung ist mit einem erhöhten Aufwand verbunden. Zudem sind geteilte Arbeitsplätze selten; kaum ein Unternehmen schreibt sie bislang aus. Hast du Interesse an Jobsharing, musst du in der Regel selbst die Initiative ergreifen und deinem Arbeitgeber dieses Modell vorschlagen.

Was ist im Arbeitszeitgesetz festgelegt?

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) schreibt grundsätzliche Belange zu Arbeits- und Ruhezeiten vor. Diese gelten in der Regel auch bei flexiblen Arbeitszeiten:

  • wöchentliche Höchstarbeitszeit: 48 Stunden
  • tägliche Normalarbeitszeit: 8 Stunden (Verlängerung auf 10 Stunden mit Einschränkungen möglich)
  • Ruhezeiten: 11 Stunden innerhalb von 24 Stunden
  • Sonn- und Feiertage: jährlich müssen 15 frei sein
  • Schichtdienst: Wechsel von Spät- oder Nacht- auf Frühschicht sollte vermieden werden

Das ArbZG lässt aber durchaus Änderungen zu, so lange diese in einem Tarifvertrag, einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung festgehalten werden. Eine alleinige Anordnung vom Chef ist nicht zulässig. Ausnahmen von den genannten Vorschriften gelten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, landwirtschaftlichen Berufen sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Flexible Arbeitszeitmodelle: Was solltest du beachten?

Wenn du mit deinem Arbeitgeber flexiblere Arbeitszeiten vereinbarst, achte auf folgende Aspekte:

  • Halte möglichst viele Details vertraglich fest: Kannst du individuelle Vereinbarungen mit deinem Vorgesetzten treffen, wie bei der Vertrauensarbeitszeit, solltest du möglichst viele davon schriftlich festhalten. Wie viele Stunden müssen gearbeitet werden? Musst du an bestimmten Tagen oder zu bestimmten Ereignissen im Büro sein? Für welche Projekte bist du zuständig? So lassen sich Konflikte vermeiden.
  • Erfasse deine Arbeitszeit: Um den Überblick zu behalten und unbezahlte Überstunden zu vermeiden, solltest du auch dann deine Arbeitszeit erfassen, wenn es nicht verlangt wird. Berücksichtige dabei auch Telefonate und Meetings. Sie nehmen oft mehr Zeit in Anspruch als vermutet.
  • Ziehe einen Schlussstrich: Schaffe dir auch dann Ruhephasen, wenn du deine Arbeit frei einteilen kannst. Die Trennung zwischen Privat- und Berufsleben ist wichtig.


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