Mietkauf: Was ist das? Und für wen lohnt er sich?

Du willst eine Wohnung oder ein Haus kaufen, hast aber nicht viel Eigenkapital? Dann ist der sogenannte Mietkauf vielleicht eine Möglichkeit für dich.

Modern eingerichtetes Wohnzimmer mit Regal, Couch und Sesseln
keresi72 / pixabay.com

Wer die Eigentumswohnung oder das Eigenheim über einen klassischen Immobilienkredit finanzieren möchte, sollte mindestens einen fünfstelligen, besser noch einen sechsstelligen Betrag als Eigenkapital und finanziellen Puffer zur Verfügung haben. Schließlich gilt es nicht nur, die Kreditraten ohne Verzug zu zahlen und den Lebensunterhalt zu finanzieren. Womöglich fallen auch mal Reparaturen am Objekt an, die dann ebenfalls zu Buche schlagen.

Im besten Fall helfen Eltern und Verwandte bei der Finanzierung mit, doch selbst dann kann selbstverständlich nicht jeder eine derart hohe Summe aufbringen. Ein Mietkauf kann dann eine interessante Option sein. In jedem Fall handelt es dabei um eine langfristige finanzielle Verpflichtung, bei der du einiges beachten solltest.

Was genau ist ein Mietkauf?

Du hast die Frage „Mieten oder kaufen?“ bereits für dich beantwortet? Dann ist der Mietkauf von Immobilien vielleicht interessant für dich. Der Mietkauf einer Wohnung oder eines Hauses ist ein Finanzierungsmodell, bei dem die Miete, die du jeden Monat zahlst, mit dem Kaufpreis für das Objekt verrechnet wird. Das bedeutet: Mit jeder Monatsmiete zahlst du einen Teil des Kaufpreises und die Restsumme wird kleiner.

Wie genau läuft das ab?

Du interessierst dich für den Mietkauf einer Wohnung oder sogar für den Mietkauf eines Hauses? Dann vereinbarst du mit dem Vermieter bzw. Verkäufer eine Vertragslaufzeit von mehreren Jahren, in denen du den Kaufpreis mit der Miete abzahlst. Besteht am Ende der Vertragslaufzeit noch eine Restschuld – also eine Differenz zwischen der gezahlten Summe und dem Kaufpreis – musst du diese noch begleichen.

Der Vorteil dieses Modells: Selbst wenn du die Restschuld mit einem Darlehen finanzieren musst, ist diese Summe weitaus geringer als der ursprüngliche Kaufpreis für deine Eigentumswohnung oder dein Eigenheim – und somit dürften auch die Konditionen für das Darlehen deutlich günstiger sein, als sie es für den gesamten Kaufpreis gewesen wären.

Mietkauf: Vorteile und Nachteile

Eine Immobilienfinanzierung per Mietkauf kann auf eine von zwei Arten erfolgen. Beim klassischen Mietkauf bist du vertraglich zum Kauf der Immobilie verpflichtet. Beim sogenannten Optionskauf ist der Kauf kein Muss. Wenn sich deine Pläne ändern oder sich die Finanzierung doch nicht wie geplant realisieren lässt, kannst du vom Kauf absehen.

Der Vorteil des Optionskaufes gegenüber dem klassischen Mietkauf mit Kaufverpflichtung besteht darin, dass du flexibel bleibst und auf ggf. veränderte Umstände reagieren kannst. Außerdem kannst du dir ein vollständiges Bild von der Immobilie machen und auch das Wohnumfeld erleben, bevor du dich entscheidest, ob du die Wohnung oder das Haus kaufst.

Der Nachteil des Optionskaufs besteht allerdings darin, dass die monatliche Miete im Vergleich zu einer normalen Miete ohne Mietkauf-Verhältnis vergleichsweise teuer sein kann. Immerhin tilgst du mit deiner Miete nicht nur jeden Monat einen Teil des Kaufpreises, sondern du zahlst auch Zinsen ab. Zudem soll eine höhere Miete dich als potenziellen Käufer an den Kauf binden. Allerdings: Je höher die monatliche Zahlung ist, desto eher ist der Kaufpreis abbezahlt.

Mögliche Risiken einer Mietkauf-Finanzierung

Bevor du dich für einen klassischen Mietkauf entscheidest, der dich zum Kauf verpflichtet, solltest du sichergehen, dass du die Mietraten sowie die ggf. verbleibende Restschuld bezahlen kannst. Schlimmstenfalls droht eine teure Rückabwicklung des notariellen Vertrags, wenn du den Kaufpreis bei Fälligkeit nicht aufbringen kannst.

Wenn du die Restschuld mit einem Darlehen finanzieren musst, solltest du sicherstellen, dass du ein solches auch bekommen kannst. Eine negative Schufa-Bonitätsauskunft kann sich hierfür beispielsweise als Stolperstein erweisen. Einmal pro Jahr kannst du bei der privatrechtlich geführten Wirtschaftsauskunftei übrigens kostenfrei Auskunft über das Rating deiner Kreditwürdigkeit erhalten.

Diese Punkte solltest du beachten

  • Vergleiche Wohnungs- und Hauspreise in der Nachbarschaft mit dem Kaufpreis, der für deine Immobilienfinanzierung per Mietkauf im Raume steht.
  • Nur mit einem Optionskauf gehst du möglichen Finanzierungsrisiken sicher aus dem Weg.
  • Ein klassischer Mietkauf mit Kaufverpflichtung birgt diesbezüglich Risiken.
  • Vereinbare keine einmalige Sonderzahlung, die einbehalten wird, wenn du die Immobilie doch nicht kaufst.
  • Instandhaltung, Reparaturen und Sanierung sollten nicht oder nur in einem genau festgelegten Kostenrahmen zu deinen Lasten fallen, wenn derartige Extrakosten die Finanzierung gefährden könnten.
  • Lass dich nicht auf eine Vereinbarung ein, die dir vorgibt, an welches Finanzinstitut du dich wenden musst, wenn bei der Finanzierung Probleme auftreten sollten.

Unsere 3 Top-Tipps zum Thema Mietkauf

  • Vorsicht beim klassischen Mietkauf. Er verpflichtet dich zum Kauf und birgt Risiken, wenn die Finanzierung hakt.
  • Ein Optionskauf ist die sicherere Wahl. Er lässt dir Flexibilität und du kannst Immobilie und Umfeld in Ruhe testen. Die monatliche Miete ist vergleichsweise hoch.
  • Vergleiche die Konditionen eines Mietkauf-Angebotes immer mit aktuellen Bankangeboten und schau dir auch die Kaufpreise in der unmittelbaren Umgebung an! Erst dann weißt du, ob die Konditionen stimmen.


Das könnte dich auch interessieren