Berufsunfähigkeitsversicherung: So sorgst du sinnvoll vor

Als Berufsanfänger steht dir noch ein langes Arbeitsleben bevor. Doch was, wenn ein Unfall oder eine Krankheit dazwischenkommt? Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bewahrt dich vor finanzieller Not.

Halb geschlossener Laptop auf Schreibtisch.
[Copyright = Christopher Gower / unsplash.com]
Christopher Gower / unsplash.com

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt als eine der wichtigsten Policen, denn immer weniger Menschen können bis zum Rentenalter arbeiten. Ein selten eintretendes Schreckensszenario? Für Berufsanfänger irrelevant? Keineswegs! Natürlich muss es nicht gleich ein schwerer Unfall sein; die häufigsten Ursachen sind Rückenprobleme und psychische Leiden. Und die können leider jeden treffen, auch in jungen Jahren.

Warum ist eine BU-Versicherung sinnvoll?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll, wenn du dich gegen eine finanzielle Notlage absichern willst. Solltest du krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage sein, deinen Beruf voll auszuüben, verlierst du dein Einkommen.

Zwar steht dir grundsätzlich eine staatliche Erwerbsminderungsrente zu. Diese ist allerdings an einige Bedingungen geknüpft. So werden viele Rentenanträge abgelehnt, weil der Betroffene noch in einem anderen, zumutbaren Beruf arbeiten kann. Nicht jeder will jedoch nach einer leitenden Position in der IT-Branche wegen eines chronischen Rückenleidens auf eine Tätigkeit im Wachdienst ausweichen.

Zudem reicht eine Erwerbsminderungsrente selten zum Leben. In der Regel macht sie nur ein Drittel des bisherigen Nettogehalts aus. Den gewohnten Lebensstandard wirst du aufgeben müssen. Auch wenn Erkrankte nur für wenige Monate ausfallen, ist die BU-Versicherung sinnvoll. Denn was ist, wenn eine Familie ernährt oder das Haus abbezahlt werden muss? Meistens geraten Betroffene dann in eine finanzielle Notlage. Auch einige den Genesungsprozess beschleunigende Therapien müssen dann aus eigener Tasche gezahlt werden.

Statistiken zeigen, dass zumeist kein schwerer Schicksalsschlag wie ein Autounfall oder ein Tumor der Grund für eine Berufsunfähigkeit ist. Vielmehr zählen typische Volkskrankheiten wie Rückenschmerzen und psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen zu den häufigsten Ursachen. Dieses Risiko betrifft jeden, ganz unabhängig vom Alter.

Häufige Ursachen für Berufsunfähigkeit

Nervenkrankheiten und psychische Krankheiten

31,32 %

Erkrankungen des Skeletts- und Bewegungsapparats

21,01 %

Krebs u. ä.

15,93 %

Sonstige Erkrankungen

14,62 %

Unfälle

9,39 %

Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems

7,72 %

Quelle: MORGEN & MORGEN (2017)

Hat ein Arzt die Berufsunfähigkeit festgestellt, erhalten Versicherte eine Art Vor-Rente. Diese erhältst du zuzüglich zu anderen, staatlichen Versorgungsbezügen. Die zuvor festgelegte monatliche Auszahlung ist in den allermeisten Fällen höher als die Erwerbsminderungsrente.

In welchen Fällen greift die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Ob jemand als berufsunfähig gilt und die Auszahlung erhält, stellt ein Arzt fest. Oft sind hierfür umfangreiche Untersuchungen und mehrere medizinische Gutachten notwendig. Schließlich soll sich nicht jeder, der über Rückenschmerzen klagt, ohne Dringlichkeit in den Vorruhestand verabschieden können.

Die Auszahlung musst du vorher beantragen. Sobald die Versicherung den Antrag geprüft und bewilligt hat, übernimmt sie die Kosten. Mitunter zahlt sie dir auch für diese Zeit rückwirkend Geld.

Dabei spielt es keine Rolle, ob ein körperliches oder psychisches Leiden den Berufstätigen außer Gefecht setzt – es sei denn, die Versicherung hat bei Vertragsabschluss genau diese Krankheit aus ihrem Leistungskatalog ausgeschlossen. Die Vertragsklauseln sind daher ebenfalls entscheidend.

Ist die Versicherung grundsätzlich sinnvoll?

Zudem ist die Berufsunfähigkeitsversicherung nur dann sinnvoll, wenn du wegen deines Schicksalsschlags weniger als 50 Prozent deiner bisherigen Arbeitszeit schaffst. Je nach ärztlicher Prognose wird die Auszahlung auf einen bestimmten Genesungszeitraum beschränkt. Bist du nur sechs Wochen krank, bezahlt übrigens der Arbeitgeber deinen Lohn weiter. Anders sieht es bei Selbstständigen aus. Bei ihnen kann nur die Versicherung das finanzielle Loch füllen.

Wie viel zahlt die Versicherung?

Berufsunfähigkeitsversicherung – worauf soll ich achten? Das fragen sich viele. Einer der wichtigsten Punkte ist der Auszahlungsbetrag. Wie viel genau Versicherte erhalten, ist bei jedem anders.

Denn die Höhe der Vor-Rente legst du bei Vertragsabschluss fest. Wirst du berufsunfähig, spielt dein aktuelles Einkommen also keine Rolle.

Überlege genau, wie hoch du die Summe veranschlagst. Wie viel verdienst du? Wie viel wirst du später verdienen und zum Leben brauchen? Das ist nicht immer einfach einzuschätzen – gerade, wenn du noch am Beginn deiner Karriere stehst. Mit Familiengründung und Gehaltserhöhungen ändern sich deine Ansprüche.

Je mehr du verlangst, desto höher sind allerdings auch deine Beiträge. Eine Lösung stellen dynamische Versicherungsmodelle dar. So kannst du die Versicherungszahlung auch noch später an veränderte Lebensumstände anpassen.

Wie hoch sind die Beiträge?

Natürlich ist die Berufsunfähigkeitsversicherung nur dann sinnvoll, wenn du dir den monatlichen Betrag auch leisten kannst. Der Versicherer bestimmt den Betrag ganz individuell. Dabei legt er mehrere Kriterien an.

Wichtig ist die von dir geforderte Rentenhöhe. Auch dein aktueller Gesundheitszustand sowie deine bisherige Krankheitsgeschichte sind entscheidend. Leidest du etwa bereits unter starken Rückenschmerzen oder hast Diabetes, ist die veranschlagte Summe meist höher.

Zudem ordnet dich die Versicherung in der Regel bestimmten Risikogruppen zu. Dabei fließt nicht nur dein Beruf mit ein, sondern mitunter auch deine Hobbys. Wer etwa als Dachdecker mehr Risiken ausgesetzt ist, zahlt auch mehr. Willst du auf den regelmäßigen Adrenalinkick beim Fallschirmspringen nicht verzichten, musst du ebenfalls tiefer ins Portemonnaie greifen.

Eine gute Nachricht gibt es für Berufseinsteiger. Weil sie meist auf keine oder eine nur kurze Krankheitsgeschichte zurückblicken, profitieren sie von günstigen Konditionen. Die Frage, ab wann sich die Berufsunfähigkeitsversicherung lohnt, ist daher rasch beantwortet: Je früher du den Vertrag abschließt, desto besser.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Worauf du achten solltest

Vor Abschluss eines Versicherungsvertrags empfiehlt es sich, eine gute Versicherungsgesellschaft herauszusuchen und alle Klauseln genau unter die Lupe zu nehmen. Denn du erhältst keinen Standardtext, sondern einen maßgeschneiderten Vertrag. Prüfe daher genau den Leistungsumfang und die Konditionen. Bereits vor Vertragsabschluss solltest du bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung wissen, was du beachten musst.

Bei einer BU-Versicherung ist es sinnvoll, insbesondere auf folgende Punkte zu achten:

  • Gesundheitscheck: Jede Versicherung holt sich ausführliche Informationen zu deinem Gesundheitszustand ein. Dazu erhältst du zumeist einen umfangreichen Fragebogen. Wichtig ist es, nichts zu verschweigen und auch Kleinigkeiten aufzuführen. Machst du falsche Angaben, kann die Versicherung den Vertrag für ungültig erklären oder zahlt dir später keinen Cent.
  • Wie ist die Berufsunfähigkeit definiert? Mitunter verweigert dir der Versicherer die Auszahlung, wenn du theoretisch auch einem Alternativberuf nachgehen könntest.
  • Beitrag und Rentenhöhe: Es empfiehlt sich hierbei, genau zu kalkulieren und auch zukünftige Lebensumstände zu berücksichtigen. Dynamische Beiträge sowie eine Nachversicherungsgarantie sind trotz steigender Summe vorteilhaft. Sie schützen besser vor Inflation und erlauben auch ohne erneuten Gesundheitscheck eine Anpassung an neue Lebenssituationen.

Unsere 3 Top-Tipps zur Berufsunfähigkeitsversicherung

  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für jeden sinnvoll, da sie vor finanziellen Problemen schützt.
  • Die Versicherungsprämie sollte genau kalkuliert werden.
  • Vor Vertragsabschluss empfiehlt sich eine genaue Prüfung.