Trauzeugen: Pflicht oder nur schöne Tradition?

Sie unterzeichnen das Traudokument und leisten seelischen Beistand: die Trauzeugen. Aber woher kommt eigentlich diese Tradition und müsst ihr wirklich Zeugen für eure Eheschließung erwählen?

Brautpaar steht zwischen Brautjungfern und Brautführern
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Für viele Paare ist die Wahl des oder der Trauzeugen eine wichtige Entscheidung. Er oder sie bezeugt bzw. bezeugen die Trauung, haben aber auch eine emotionale Bedeutung für die Vermählten. Oft übernehmen Geschwister oder die besten Freunde diesen Part, also Menschen, die einem nahestehen. In der Regel gehen die Aufgaben eines Trauzeugen über das Unterzeichnen eines Dokuments hinaus. Habt ihr schon eure Trauzeugen erwählt?

Woher stammt die Tradition?

Der Ursprung der Tradition geht auf eine Zeit zurück, in denen Unterlagen weniger sicher verwahrt werden konnten als heute: das Mittelalter nämlich. Ging der schriftliche Beweis einer Hochzeit verloren oder wurde er zerstört, konnte die Ehe nicht mehr offiziell nachgewiesen werden. Der Trauzeuge hatte die Aufgabe, die Heirat im Zweifelsfall zu bezeugen.

Sind Trauzeugen gesetzlich vorgeschrieben?

Sind eure Eltern verheiratet, haben sie eventuell auch einst Trauzeugen erwählt. Bis vor etwa 20 Jahren war es schließlich zumindest in der Bundesrepublik gesetzlich vorgeschrieben, dass zwei Personen einer Hochzeit als Zeugen beizuwohnen haben. Erst 1998 hat sich die deutsche Gesetzeslage geändert, zumindest teilweise. Heiratet ihr nur standesamtlich oder gehört ihr der evangelischen Konfession an, ist ein Trauzeuge bei der Hochzeit kein Muss. Plant ihr eine katholische Hochzeit, ist noch immer die Anwesenheit von zwei Trauzeugen vorgeschrieben. Das gilt auch für ökumenische Trauungen.

Die Gesetzeslage in Österreich und der Schweiz ist etwas anders. In der Schweiz sind zwei Trauzeugen bei jeder Form der Eheschließung vorgeschrieben. Bis 2013 galt dies auch für Österreich. Nach der Verabschiedung des § 18 Abs. 3 des Personenstandsgesetzes kann dort eine Hochzeit ohne einen oder mit nur einem Trauzeugen vollzogen werden. Die Zustimmung beider Heiratswilligen ist jedoch Voraussetzung.

Gibt es gesetzliche Vorgaben für Trauzeugen?

Um zum Trauzeugen einer standesamtlichen Hochzeit qualifiziert zu sein, muss man drei Voraussetzungen erfüllen:

  • Volljährigkeit
  • Besitz eines gültigen Personalausweises oder Reisepasses
  • Kenntnis der deutschen Sprache

Beherrscht ein von euch gewählter Trauzeuge nicht die deutsche Sprache, müsst ihr einen Übersetzer mitbringen. Wichtig: Fragt die Auserwählten rechtzeitig, ob ihre Personalausweise bzw. Reisepässe noch gültig sind.

Bei kirchlichen Hochzeiten gelten andere Regeln. Ein Trauzeuge muss mindestens 14 Jahre alt sein, also religionsmündig. Das gilt sowohl für evangelische als auch für katholische Trauungen. Bei beiden Konfessionen muss der Trauzeuge nicht zwangsläufig der jeweiligen Glaubensgemeinschaft angehören. Er muss sich jedoch zum christlichen Glauben bekennen.

In der evangelischen und der katholischen Kirche kommt einem Trauzeugen jedoch eine unterschiedlich große Bedeutung zu: Während er in der evangelischen Kirche keine kirchliche Funktion hat, übernimmt er in der katholischen Kirche ein kirchliches Amt. Von einem solchen kann man nicht zurücktreten. Gleiches gilt für Taufpaten.

Welche Aufgaben übernehmen Trauzeugen?

Ein Trauzeuge ist bei der Hochzeit anwesend, sodass er später die Durchführung der Zeremonie bezeugen kann. In der Regel unterstützen die gewählten Personen das Brautpaar aber auch bei der Planung der Hochzeit bzw. bei bestimmten weiteren Erledigungen. Aus diesem Grund ist ein Trauzeuge auch insofern von Bedeutung, als er euch bei der Organisation entlasten kann. Wichtig ist dabei, dass ihr den jeweiligen Personen eure Erwartungen von Anfang an mitteilt. Mögliche Aufgaben sind unter anderem:

  • Begleitung beim Kauf des Hochzeitsoutfits
  • Ansprechpartner für andere Gäste in organisatorischen Dingen sein
  • Übergabe der Trauringe während der Zeremonie
  • Entgegennahme von Geschenken, ggf. Geschenke mit Namen versehen
  • Koordination und Moderation von Hochzeitsspielen
  • Mitnahme von Dingen wie Taschentüchern, Pflastern und sonstigen Kleinigkeiten, die unter Umständen benötigt werden

Wenn die Wahl des Trauzeugen schwerfällt

Ihr könnt euch nicht entscheiden, wer die Rolle des Trauzeugen übernehmen soll? Heiratet ihr standesamtlich und kirchlich, habt ihr die Möglichkeit, für jede Zeremonie jeweils andere Vertrauenspersonen zu bestimmen. So wird die beste Freundin etwa Trauzeugin bei der standesamtlichen Trauung und die große Schwester jene bei der kirchlichen.

Unsere 3 Top-Tipps zum Thema Trauzeugen

  • Überlegt euch, ob ihr überhaupt Trauzeugen braucht. Heiratet ihr nur standesamtlich oder in einer evangelischen Kirche, sind Trauzeugen heute kein Muss.
  • Erkundigt euch rechtzeitig, ob der Personalausweis bzw. der Reisepass der erwählten Person gültig ist, und organisiert ggf. einen Dolmetscher, falls ein Trauzeuge nicht deutsch spricht.
  • Teilt euren Trauzeugen im Vorfeld mit, welche Erwartungen ihr an sie habt.