Hochzeitsbrauch: Traditionen zum schönsten Tag im Leben

Einige sind sehr alt, andere haben sich erst in den vergangenen Jahren etabliert: Hochzeitsbräuche. Welche Traditionen für Brautpaar und Gäste passen zu euch?

Frau in Hochzeitskleid hält Blumenstrauß
Oleksandr Pidvalnyi / Pexels.com

Kaum eine Hochzeit kommt ganz ohne Bräuche aus. Und laut einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov aus dem Jahr 2016 möchten viele an den Traditionen festhalten – jedenfalls an einigen. Während die Mehrheit der Befragten etwa das Werfen des Brautstraußes als Tradition erhalten möchte (77 Prozent), empfinden viele die Entführung der Braut als nicht erhaltenswert (62 Prozent).

An welchen Hochzeitsbräuchen wollt ihr festhalten? Oder mögt ihr einige Hochzeitsbräuche gar nicht? Da nicht alle Bräuche von dem Hochzeitspaar selbst geplant werden, empfiehlt es sich, vorher ein klärendes Gespräch mit den Trauzeugen zu führen. Meist wissen sie mehr über geplante Aktionen und können ggf. rechtzeitig einschreiten, bevor eine eigentlich gut gemeinte Geste eurer Hochzeitsgäste die Stimmung an eurem ganz besonderen Tag trübt.

Hochzeitsbräuche vor dem großen Tag

Schon vor der eigentlichen Hochzeit gibt es einige Traditionen, die für viele ein fester Bestandteil der Feierlichkeiten sind. Andere gelten hingegen als eher veraltet.

Bitte um die Hand der Braut

Ein Hochzeitsbrauch aus vergangenen Tagen: Der Bräutigam in spe fragt den Vater der Braut um die Hand seiner Tochter. Früher hatte diese Geste wenig mit Höflichkeit zu tun. Es handelte sich vielmehr um ein Geschäft, bei dem der Brautvater und der zukünftige Bräutigam die Mitgift der Braut aushandelten.

Heute ist das normalerweise nicht mehr so. Den Segen der Eltern einzuholen kann aber trotzdem eine schöne Geste sein, am besten gemeinsam als Paar und nach dem eigentlichen Antrag.

Abschied vom Junggesellenstatus

Auf den Junggesellen- bzw. Junggesellinnenabschied möchten die meisten nicht verzichten. Er wird ein paar Tage vor der Hochzeit getrennt gefeiert. Ihr möchtet gerne mit euren besten Freunden den Beginn eines neuen Lebensabschnitts feiern, habt aber keine Lust auf peinliche Kostüme oder Verkaufsaktionen mit dem Bauchladen?

Auch hier gilt: Wendet euch an die Trauzeugen, schließlich soll der Abschied vom Junggesellendasein Spaß machen. Und den kann man auch bei einem Paintball-Turnier, einem Städtetrip oder einem Wellness-Wochenende haben.

Der Polterabend – Scherben bringen Glück

Der Polterabend ist ein Hochzeitsbrauch, der vor allem in ländlichen Regionen aufrechterhalten wird. Vor der Hochzeit wird mit allen Verwandten, Freunden und Bekannten gefeiert – auch mit denen, die nicht zu der Hochzeitsfeier eingeladen sind. Ein Polterabend ist also eine gute Möglichkeit, im größeren Kreis zu feiern, wenn ihr die Hochzeit selbst im ganz kleinen Rahmen halten möchtet.

Traditionell bringen die Gäste Porzellan, Steingut und Keramik mit und zertrümmern es, um durch den Lärm böse Geister zu vertreiben und dem Brautpaar Glück zu wünschen. Seid ihr abergläubisch? Dann sollte besser kein Glas zerbrochen werden.

Die Nacht vor der Hochzeit

Eine Tradition, die oft nicht leichtfällt: Braut und Bräutigam verbringen die Nacht vor der Hochzeit getrennt. Das steigert die Spannung vor dem großen Tag und soll Glück bringen. Fühlt ihr euch damit aber nicht wohl und braucht vor dem großen Tag die Nähe des anderen, empfiehlt es sich, auf diesen Hochzeitsbrauch zu verzichten.

Bräuche während und nach der Zeremonie

Der große Tag ist gekommen. Auch rund um die Zeremonie gibt es viele Hochzeitsbräuche. Einige der Bräuche werden jedoch nicht von dem Brautpaar selbst, sondern von den Gästen organisiert. Um traditionelle Spiele rund um die Hochzeit müsst ihr euch nicht kümmern.

Der Weg zum Altar

Traditionell führt der Brautvater seine Tochter zum Altar und übergibt sie dem Bräutigam. Ein sehr schöner Brauch, der aber nicht immer möglich ist. Kann der Vater der Braut nicht dabei sein, müsst ihr aber nicht auf diese Geste verzichten. Auch eine andere Person, die der Braut nahesteht, kann den Part des Brautvaters übernehmen. Wie wäre es z. B. mit dem Bruder, dem Großvater oder – wenn vorhanden – dem Patenonkel?

Gemeinsames Baumstammsägen

Bei diesem Brauch wird getestet, wie gut ihr zusammenarbeitet. Eure Aufgabe: Nach dem Verlassen der Kirche oder des Standesamts müsst ihr einen Baumstamm mit einer mehr oder weniger scharfen Bügelsäge gemeinsam zersägen. Trägt die Braut ein weites Brautkleid mit Reifrock, ist jedoch Vorsicht geboten. Es wäre doch schade, wenn das Kleid in die Säge gerät.

Reis werfen

Oft wird das aus der Kirche oder dem Standesamt kommende Brautpaar mit Reis beworfen. Der Hochzeitsbrauch soll dem Brautpaar eine kinderreiche Ehe bescheren. Da das Werfen mit Reis nicht vor allen öffentlichen Gebäuden erlaubt ist, muss unter Umständen auf eine Alternative zurückgegriffen werden. Schön ist z. B. der Empfang des Brautpaars mit Seifenblasen.

Dosen am Auto

Fahrt ihr nach der Trauung mit dem Auto zur Hochzeitslocation, solltet ihr nicht lärmempfindlich sein. An der Stoßstange des Autos befestigte Dosen machen auf das Brautpaar aufmerksam. Der Aberglaube sagt außerdem, dass das laute Scheppern böse Geister vertreibt. Gleiches gilt übrigens für das übliche Hupkonzert, dass die im Konvoi fahrende Hochzeitsgesellschaft oft veranstaltet.

Alt, neu, geliehen und blau

Something old, something new, something borrowed, something blue – so der Originalspruch des aus Großbritannien stammenden Hochzeitsbrauchs. Nach diesem sollte die Braut bei der Hochzeit etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues tragen. Dahinter stecken folgende Bedeutungen:

  • Etwas Altes: Steht für den Lebensabschnitt der Braut vor der Heirat, z. B. ein altes Schmuckstück von Mutter oder Großmutter.
  • Etwas Neues: Steht für den beginnenden Lebensabschnitt der Braut, z. B. das Brautkleid oder die Brautschuhe.
  • Etwas Geliehenes: Steht für die Beständigkeit guter Freundschaften, z. B. ein kleines Accessoire von der besten Freundin.
  • Etwas Blaues: Die Farbe steht für Reinheit und Treue. Ein blaues Strumpfband ist der Klassiker.

Blumenkinder

Das Streuen von Blumen oder Blütenblättern geht auf einen heidnischen Hochzeitsbrauch zurück. Nach diesem soll der Duft der Blumen die Fruchtbarkeitsgöttinnen anlocken. Auch hier geht es also wieder um den Kindersegen in der Ehe. Habt ihr euch für eure Hochzeit relativ kleine Blumenkinder ausgesucht, empfiehlt es sich, das Streuen der Blumen vor der Hochzeit zu üben. Sonst wird das Körbchen unter Umständen zu schnell geleert.

Traditionen während und nach der Hochzeitsfeier

Habt ihr Kirche oder Standesamt hinter euch gelassen, wird mit der Hochzeitsgesellschaft gefeiert. Auch hier gibt es zahlreiche Bräuche, auf die sich sicher auch viele eurer Gäste freuen werden.

Hochzeitswalzer

Mit dem Hochzeitswalzer eröffnet das Brautpaar das Hochzeitsfest. Früher tanzte das frisch verheiratete Paar den Eröffnungstanz ganz alleine. Heute ist es weitgehend so, dass nach ein paar Takten die ersten Gäste folgen. Auch wenn der Wiener Walzer der traditionelle Hochzeitstanz ist, seid ihr natürlich nicht daran gebunden. Interpretiert den Hochzeitsbrauch einfach neu und wählt den Tanz, der am besten zu euch passt. Vielleicht wird es ja ein Hochzeitstango.

Wer ist die Nächste?

Das Brautstraußwerfen gehört zu den beliebtesten Hochzeitsbräuchen, vor allem bei den unverheirateten Frauen. Dabei steht die Braut mit dem Rücken zu den Gästen und wirft den Strauß über die Schulter. Die Fängerin ist die nächste, die vor den Traualtar tritt – jedenfalls, wenn man dem Brauch Glauben schenkt. Möchtet ihr den Strauß lieber trocknen und als Erinnerung aufbewahren? In diesem Fall empfiehlt es sich, für das Brautstraußwerfen eine kleine Kopie des echten Straußes anfertigen zu lassen.

Schleiertanz

Der Schleiertanz ist ein alter germanischer Hochzeitsbrauch und findet traditionell um Mitternacht statt. Während des Tanzes rauben die weiblichen Gäste den Schleier der Braut und reißen ihn in viele kleine Stücke, um etwas von dem Segen des Brautpaares zu haben. Wie beim Brautstrauß gilt auch hier: Ist euch der Schleier zu schade, solltet ihr ein günstiges Modell für den Schleiertanz verwenden.

Entführung der Braut

Freunde des Ehepaares entführen die Braut in einem unbemerkten Augenblick und gehen traditionell mit ihr in ein Lokal in der Nähe. Aufgabe des Bräutigams ist es, seine Ehefrau zu finden und die Rechnung der Entführer zu bezahlen. Die Aktion kann lustig sein, aber: Während der Brautentführung feiert das Brautpaar nicht mit den anderen Gästen. Glaubt ihr, dass Freunde von euch eine Entführung planen, habt aber selbst keine Lust darauf? Am besten ist es, die Freunde direkt darauf anzusprechen.

Gang über die Türschwelle

Nach einem heidnischen Glauben lauern unter der Türschwelle böse Geister, die der Braut ihr Glück missgönnen. Um seine Braut zu schützen, trägt der Bräutigam sie über die Türschwelle. Der gemeinsame Gang durch die Tür hat aber auch eine symbolische Bedeutung: Hinter der Schwelle beginnt ein neues gemeinsames Leben.

Unsere 3 Top-Tipps für Hochzeitsbräuche

  • Wählt nur die Hochzeitsbräuche, die zu euch und euren Vorstellungen passen.
  • Möchtet ihr bestimmte Bräuche auf keinen Fall, solltet ihr die Trauzeugen im Vorfeld darüber informieren.
  • Ihr möchtet Bräuche wie das Brautstraußwerfen und den Schleiertanz in die Feierlichkeiten integrieren, aber nicht auf den Strauß und den Schleier als Andenken verzichten? Verwendet für den Hochzeitsbrauch ein Duplikat bzw. eine günstige Variante des Originals.