U-Untersuchungen: Diese Vorsorgetermine sind wichtig für dein Kind

Schon mal was von der U1 oder U9 gehört? Nein, das sind keine U-Bahn-Linien, sondern zwei von zehn Vorsorgeuntersuchungen, die deinem Kind von der Geburt bis zum sechsten Lebensjahr zustehen.

Der Kinderarzt hält das Köpfchen des Neugeborenen in seinen Händen. 

[Copyright = ESB Professional / shutterstock.com]
ESB Professional / shutterstock.com

Der Zeitpunkt entscheidet: Je früher Ärzte eine Krankheit oder Entwicklungsstörung erkennen, desto besser können sie darauf reagieren. Da Eltern in medizinischen Dingen in der Regel Laien sind, sollten sie mit ihren Kindern die empfohlenen U-Untersuchungen beim Kinderarzt wahrnehmen. In Bayern, Hessen und Baden-Württemberg sind U1 bis U9 Pflicht und mancherorts sogar Voraussetzung für die Aufnahme in eine Kita oder Schule.

Auch das Bundesgesundheitsministerium rät dazu, die U-Untersuchungen wahrzunehmen. „Es ist wichtig, dass bei den U-Untersuchungen der allgemeine Gesundheitszustand und die altersgemäße Entwicklung eines Kindes regelmäßig ärztlich überprüft werden“, schreibt das BGM. „So können mögliche Probleme oder Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und behandelt werden.“

Wie viele U-Untersuchungen gibt es?

Gleich nach der Geburt erhalten alle frischgebackenen Eltern ein gelbes Heft, in dem der Arzt alle Untersuchungen des Kindes dokumentiert. Es bietet den Eltern einen guten Überblick darüber, welche Vorsorgeuntersuchung für ihr Baby als nächstes ansteht und was dabei gecheckt wird. Auch für den Kinderarzt ist das Heft wichtig, weil es Aufschluss über die bisherige Entwicklung des Kindes gibt. Denk daran, das Heft zu jeder Untersuchung mitzubringen.

Welche U-Untersuchungen es gibt und wann welche U-Untersuchung ansteht, ist im gelben Heft verzeichnet. Insgesamt sind es 14 Untersuchungen.

Nr.

U-Untersuchung

Zeitraum

1

U1

Unmittelbar nach der Geburt

2

U2

3.–10. Lebenstag

3

U3

4.–6. Woche

4

U4

3.–4. Monat

5

U5

6.–7. Monat

6

U6

10.–12. Monat

7

U7

21.–24. Monat

8

U7a

34.–36. Monat

9

U8

46.–48. Monat

10

U9

60.–64. Monat

11

U10

7–8 Jahre

12

U11

9–10 Jahre

13

J1

12–14 Jahre

14

J2

16–17 Jahre

Nur die Kosten für die Untersuchungen U1 bis U9 sowie die J1 werden von den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen übernommen. Die Kosten für die darüber hinausgehenden drei empfohlenen Untersuchungen (U10, U11 und J2) erstatten nicht alle Krankenkassen. Es lohnt sich, das individuell zu erfragen.

U1: Die Untersuchung deines Babys direkt nach der Geburt

Endlich ist dein Baby auf der Welt! Aber ist es auch gesund und munter? Die erste Vorsorgeuntersuchung deines Babys findet genau das heraus. Ausschlaggebend sind die sogenannten APGAR-Werte:

  • Atmung
  • Puls (Herzfrequenz)
  • Grundtonus (Muskeltonus)
  • Aussehen (Hautfarbe)
  • Reflexe

Sobald dein Kind das Licht der Welt erblickt hat und von der Nabelschnur getrennt ist, checkt die Hebamme oder der Arzt diese Werte und vergibt für jeden Aspekt null bis zwei Punkte. Kommt als Gesamtpunktzahl neun oder zehn heraus, erfreut sich dein Baby bester Gesundheit. Bei weniger als fünf Punkten muss das Kind medizinisch stabilisiert werden.

Oft ist ein schlechter Wert auch die Folge einer besonders anstrengenden Geburt. Deshalb führt der Geburtshelfer den APGAR-Test etwa fünf bis zehn Minuten nach der Geburt noch einmal durch. Wurde das Baby im Krankenhaus geboren, kann die Hebamme außerdem Blut aus der Nabelschnur entnehmen, um anhand des pH-Wertes festzustellen, ob das Kind während der Geburt mit genügend Sauerstoff versorgt wurde.

Nach Rücksprache mit den Eltern kann die U1-Untersuchung noch weitere Kontrollen und Vorsorgemaßnahmen umfassen: einen Hörtest, einen Test auf angeborene Stoffwechselstörungen und Mukoviszidose sowie die erste von insgesamt drei Vitamin-K-Prophylaxen, die das medizinische Personal in Tropfenform verabreicht.

Wie bei allen zukünftigen U-Untersuchungen wird das Kind auch bei der U1 gewogen und gemessen.

U2: Wann ist es Zeit für den Kinderarzt?

Die nächste Vorsorgeuntersuchung lässt nicht lange auf sich warten. Bereits zwischen dem dritten und dem zehnten Lebenstag des Kindes sollte die U2 erfolgen: eine Untersuchung von Kopf bis Fuß. Wenn du im Krankenhaus entbunden hast, bietet es sich an, hier auch die U2 wahrzunehmen. In der Regel werden Mutter und Kind danach direkt entlassen und fahren beruhigt nach Hause. Hast du ambulant entbunden, solltest du unmittelbar nach der Geburt selbst einen Termin beim Kinderarzt deiner Wahl vereinbaren.

Bei der U2 tastet der Kinderarzt das Baby ab und untersucht Hüfte, Gliedmaßen, Wirbelsäule, Geschlechts- und Sinnesorgane auf mögliche Fehlbildungen und angeborene Erkrankungen. Auch die Motorik und die Reflexe des Kindes, wie den Saug- und Greifreflex, überprüft er. Hat noch kein Stoffwechsel-Screening und kein Hörtest stattgefunden, klärt der Arzt die Eltern darüber auf. Er informiert auch über die Fluorid- und Rachitis-Prophylaxe in Form von Vitamin D.

U3 bis U6: Wie entwickelt sich dein Baby?

Im ersten Lebensjahr stehen in regelmäßigen Abständen Vorsorgeuntersuchungen mit deinem Baby an, beginnend mit der U3-Untersuchung. Wann findet diese statt? Zwischen der vierten und sechsten Woche, wenn du und dein Baby schon einigermaßen im neuen Alltag angekommen seid.

Auch bei der U3 checkt der Arzt das Kind von Kopf bis Fuß auf mögliche Störungen und Erkrankungen. Er hört Herz und Lungen ab, betastet das Köpfchen und achtet darauf, ob das Baby sich geistig und motorisch gesund entwickelt. Schaut es sein Gegenüber an? Reagiert es auf Bewegungen? Kann es in Bauchlage sein Köpfchen halten? Eine Besonderheit der U3 ist die Ultraschall-Untersuchung der Hüfte, die eine Hüftdysplasie ausschließen soll.

Wann sollte dein Baby geimpft werden? Der Arzt klärt auf und beantwortet deine Fragen, auch zu Themen wie Ernährung, Schlafverhalten und Unfallverhütung.

In den folgenden U-Untersuchungen, der U4 bis U6, die in immer größer werdenden Zeitabständen stattfinden, testet der Arzt immer wieder die altersgerechte Entwicklung deines Kindes. Hört und sieht es einwandfrei? Greift es nach Dingen in seiner Reichweite? Wie steht es um die Beweglichkeit und Körperbeherrschung? Bei der U6, zwischen dem zehnten und dem zwölften Monat, überprüft der Arzt schließlich, ob das Kind bereits erste Doppellaute wie „Dada“ oder „Papa“ bildet.

U7 bis U9: Vom Klein- zum Schulkind

Die nächste U-Untersuchung, die U7, findet erst ein Jahr später statt. Das Kind ist mittlerweile vom Baby zum Kleinkind herangereift und sollte mit knapp zwei Jahren in der Lage sein, …

  • … mindestens zehn Wörter und Zwei-Wort-Sätze zu sprechen.
  • … seinen eigenen Namen zu sagen.
  • … verbale Aufforderungen zu verstehen und zu befolgen.
  • … Einzahl von Mehrzahl zu unterscheiden.

Außerdem sollte es grob- und feinmotorisch in der Lage sein, einen Turm aus Bauklötzen zu bauen, einen Strich zu zeichnen, einen Ball zu werfen und Ähnliches. Was der Arzt selbst nicht überprüfen kann, erfragt er bei den Eltern. Wie steht es mit den sozialen Fähigkeiten des Kindes? Wie verhält es sich gegenüber Gleichaltrigen und anderen Erwachsenen? Fasst es schnell Vertrauen oder ist es eher scheu?

Das Sozialverhalten deines Kindes spielt auch bei der U7a etwa ein Jahr später eine große Rolle. Die Untersuchung wurde 2008 als feste Krankenkassenleistung zwischen der U7 und der U8 eingeführt, damit Eltern ihr beinahe dreijähriges Kind auf seine Kindergartentauglichkeit checken lassen können. Soziales Verhalten, Kontaktfähigkeit und Selbstständigkeit des Kindes sind neben der motorischen und sprachlichen Entwicklung auch ein weiteres Jahr später, bei der U8, wichtige Themen. Hier checkt der Arzt außerdem Blutdruck und Kieferentwicklung des Kindes und untersucht den Urin.

Ist dein Kind reif für die Schule? Diese Frage beantwortet der Kinderarzt bei der U9, der letzten Vorsorgeuntersuchung deines Kindes. Der Arzt führt einen Seh- und Hörtest durch, testet erneut Feinmotorik, Sozialverhalten und Intelligenz und schätzt anschließend ein, ob das fünfjährige Kind bereit für die Einschulung ist.

Lass dich von den U-Untersuchungen nicht stressen! Sie beurteilen nicht deine elterlichen Kompetenzen, sondern helfen dir vielmehr dabei einzuschätzen, ob dein Kind bei seiner Entwicklung zusätzliche Unterstützung in Form von Physio-, Logo- oder Ergotherapie braucht.

U-Untersuchungen von Schulkindern und Jugendlichen

Während die bisherigen Untersuchungen von der Krankenversicherung übernommen wurden, müssen Eltern drei der vier nachfolgenden, empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen (U10, U11 und J2) meist aus eigener Tasche zahlen. Doch das sollte kein Hindernis sein. Diese U-Untersuchungen sind eine gute Gelegenheit, festzustellen, wie das Kind den Übergang vom Kindergarten in die Schule gemeistert hat.

Entwickelt es sich altersgerecht? Hat es in der Schule Anschluss gefunden und Freude am Lernen? Oder zeigt es Anzeichen einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) oder Rechenschwäche (Dyskalkulie)? Das alles sind neben der körperlichen Untersuchung mögliche Themen, die bei der U10 und U11 zur Sprache kommen.

Bei den letzten beiden Untersuchungen, der J1 und J2, hat der Kinderarzt bereits einen Teenager vor sich sitzen. Der Arzt untersucht das Skelett des Heranwachsenden auf eventuelle Haltungsschäden, macht einen Blut- und Urincheck, überprüft den Impfstatus und berät in Fragen rund um die körperlich und geistig aufwühlende Pubertät.

Unsere 3 Top-Tipps zum Thema U-Untersuchungen

  • Für einen gesunden Start ins Leben: Nimm alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen mit deinem Kind wahr.
  • Wie viele U-Untersuchungen es gibt und was dort passiert, entnimmst du dem gelben Heft, das jedes Kind nach der Geburt bekommt.
  • U1 bis U9 sind mancherorts sogar Pflicht. Doch auch die Untersuchungen U10 bis J2 sind wichtig, um die altersgerechte Entwicklung deines Kindes im Blick zu behalten.