Wochenbett: Wie du die Zeit nach der Geburt in vollen Zügen genießt

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Das wusste schon Hermann Hesse. Doch kaum ein Anfang verzaubert so sehr wie die erste Zeit mit einem Neugeborenen: Das Wochenbett ist eine magische Zeit. Nimm sie dir.

Eine große Hand hält die winzige Hand eines Neugeborenen.
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Wenige Tage nach der Geburt schon wieder voll drin im Alltag? Heute keine Seltenheit, wenn man den Hebammen glaubt. Das Wochenbett werde von Frauen nicht mehr wörtlich genommen; Überforderung und Baby-Blues seien oft die Folge. Mütter hingegen, die die ersten Wochen mit ihrem Baby im Bett verbringen, gönnen ihrem Körper die dringend benötigte Erholung und sich selbst die Muße, sich ganz auf das neue Menschlein einzulassen.

Die Zeit des Wochenbetts: Wie lange dauert sie?

Nach der Geburt genießt jede frischgebackene Mutter in Deutschland acht Wochen Mutterschutz. Das ist auch in etwa die Zeit, die traditionell für das Wochenbett vorgesehen ist. Wie lange die Frau dabei im Bett liegen sollte, ist individuell verschieden und hängt auch davon ab, wie die Geburt verlief. Zur Orientierung hilft die Faustregel: Sieben Tage im Bett, sieben Tage auf dem Bett und sieben Tage um das Bett herum.

In vielen Kulturen hat sich die 40 als symbolträchtige Zahl für innere Einkehr und somit auch für das Wochenbett etabliert. Auf die Frage, wie lange man sich schonen sollte, antworten viele Hebammen und Psychologen deshalb: 40 Tage. 40 ganz besondere Tage, in denen sich der Körper der Mutter regeneriert und in denen aus einem Paar eine Familie wird.

Stressfreies Wochenbett: Was braucht man dafür?

Ein neugeborener Mensch stellt das Leben seiner Eltern ganz schön auf den Kopf. Nicht nur löst er in der Mutter allerlei körperliche und seelische Umstellungsprozesse aus, er verändert auch das Beziehungsgefüge eines Paares bzw. innerhalb einer Familie.

Es braucht viel Zeit und Ruhe, das Neugeborene gebührend in Empfang zu nehmen, es kennenzulernen und natürlich auch zu versorgen. Stillen ist jetzt ein großes Thema. Zwar ist dies ein natürlicher Vorgang, doch will auch er gelernt sein. Dafür benötigt die frischgebackene Mutter all ihre Kraftreserven. Der Haushalt ist das letzte, woran sie im Wochenbett denken sollte. Was braucht man also für eine entspannte Auszeit nach der Geburt?

  • Den Papa zu Hause: Wenn möglich, sollte auch der frischgebackene Vater während des Wochenbetts Urlaub oder Elternzeit nehmen. So kann er an dieser magischen Zeit des ersten Kennenlernens teilhaben und seine Partnerin mit gesunden Mahlzeiten versorgen.
  • Eine Nachsorgehebamme: In Deutschland steht jeder Frau im Wochenbett die Nachsorge durch eine Hebamme zu. Die Nachsorgehebamme macht an die 16 Hausbesuche und kontrolliert dabei, wie sich die Rückbildung bei der Mutter entwickelt und wie das Kind gedeiht. Auch für Fragen rund um Stillen, Babypflege, Rückbildungsgymnastik und Ähnliches steht sie zur Verfügung.
  • Die Unterstützung von Freunden und Familie: Gibt es jemanden, der dir in den ersten Wochen im Haushalt helfen kann, die Einkäufe macht, warmes Essen vorbeibringt oder die Geschwisterkinder beschäftigt?
  • Organisation ist alles: Je mehr Formalitäten du vor der Geburt erledigst (Checkliste zur Geburt), desto weniger musst du dich im Wochenbett damit belasten.
  • Einen geschützten Rückzugsort: Familie und Freunde brennen darauf, das neue Familienmitglied kennenzulernen. Doch Besucher bringen auch Erwartungen und Stress mit sich. Es ist daher völlig in Ordnung, wenn du in den ersten Wochen auf Tauchstation gehst.
  • Eine gesunde Portion Egoismus: Lass den Alltag und alles andere Anstrengende vor der Tür und kümmere dich allein um dich und dein Baby.

Ein junger Papa schläft mit seinem Baby auf dem Bauch unter einer braunen Kuscheldecke.
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Frühwochenbett: Was dein Körper jetzt zu verarbeiten hat

Das frühe Wochenbett – wie lange dauert es? Hebammen bezeichnen so die ersten zehn Tage, an denen die frischgebackene Mama die Geburt vor allem körperlich verarbeiten muss. Nach dem Rausch der Glückshormone, die zusammen mit dem Baby kommen, erinnert ihr Körper sie nun allmählich daran, welche Anstrengungen er auf sich genommen hat. Typische Beschwerden im Wochenbett hat das Magazin Baby & Familie aufgelistet:

  • Nachwehen während der Rückbildung: Wenn die Gebärmutter sich nach der Geburt wieder zusammenzieht, kann das wehtun. Vor allem beim Stillen können stechende Schmerzen auftreten.
  • Wochenfluss: Wenn sich die Plazenta von der Gebärmutter löst, hinterlässt sie eine Wunde an der Gebärmutterschleimhaut. Diese verursacht eine Blutung, den sogenannten Wochenfluss, der im Laufe der Wochen immer heller wird und schließlich versiegt. Hygiene ist jetzt wichtig, um Infektionen zu vermeiden.
  • Geburtsverletzungen: Bei der Geburt kommt es häufig zu leichten Rissen in der Scheide, am Muttermund oder Damm. Das kann beim Sitzen oder Wasserlassen schmerzen. Salzwasserbäder oder Spülungen mit Kamillentee helfen.
  • Beckenboden: Da die Muskulatur des Beckenbodens geschwächt ist, sollten Wöchnerinnen sich in den ersten Tagen nicht überanstrengen. Stattdessen sollten sie die Muskulatur durch möglichst viel Liegen entlasten.
  • Milcheinschuss: Nach dem Kolostrum der ersten Tage – Babys erster Nahrung – schießt etwa ab dem dritten Tag nach der Geburt die „richtige“ Milch ein. Weil die Brüste hierbei anschwellen und schmerzen, empfinden viele Frauen das als anstrengend. Es dauert ein paar Tage, bis sich die Milchmenge an den Bedarf des Kindes angepasst hat und die Brüste nicht mehr überlaufen.

Im Wochenbett vollbringt der Körper einer frischgebackenen Mutter Unglaubliches: Hat er sich während der Schwangerschaft ganz auf die Versorgung des Nachwuchses eingestellt, beginnt er nun sofort mit der Umkehrung. Die Frau verliert an Gewicht, Wassereinlagerungen und Krampfadern verschwinden allmählich und die inneren Organe wandern wieder an ihren Platz zurück. Gleichzeitig schafft es der Körper, den Säugling zuverlässig mit Nahrung zu versorgen.

Spätwochenbett: Den Grundstein für die Eltern-Kind-Beziehung legen

Im Idealfall bekommt die Mutter die Wehwehchen aus dem Frühwochenbett gar nicht bewusst mit, so vernarrt ist sie jetzt in ihr Baby. Wie könnte sie auch nicht? Das Kind, das die letzten neun Monate warm und sicher in ihrem Bauch verbrachte, sucht nun bei ihr Schutz vor den vielen neuen Gerüchen und Geräuschen.

Im Wochenbett gibst du deinem Kind, was es braucht, um in der Welt anzukommen: eine starke Bindung zu seinen Eltern. „Auch für die Mutter ist es wichtig, ganz in Ruhe anzukommen in der Elternschaft und Zeit zu haben, das zarte Liebesband zu knüpfen, das zeitlebens bestehen bleiben soll“, so die Pädagogin und Bloggerin Susanne Mierau.

Das bedeutet jedoch nicht, dass du rund um die Uhr glücklich bist. Schon am vierten oder fünften Tag nach der Geburt kann er dich erwischen: der Baby-Blues. Wenn die erste Euphorie verflogen ist, schlagen Überforderung, Schlafentzug und zu hohe Erwartungen schon mal aufs Gemüt. Es ist gerade das Einhalten des Spätwochenbetts – also genügend Zeit und Ruhe für dich, dein Kind und deinen Partner – das dir dabei hilft, den Stimmungsschwankungen zu begegnen.

Schließlich verändert sich dein Leben mit der Elternschaft enorm. Mit der neuen Elternrolle kommen neue Aufgaben und Herausforderungen auf dich zu. Dein Selbstbild, deine Paar- bzw. Familienkonstellation, dein soziales Umfeld – all das verändert sich schlagartig, und du musst das nicht ausnahmslos gut finden. Es ist in Ordnung, sich überfordert zu fühlen. Genauso in Ordnung und sogar nötig ist es, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn sich die sogenannten „Heultage“ zu einer andauernden depressiven Verstimmung auswachsen.

Gerade das Spätwochenbett, wenn die Geburt nach den ersten zehn Tagen körperlich einigermaßen verarbeitet ist, bildet den idealen Rahmen, um Sicherheit in der neuen Elternrolle zu erlangen und als Familie ein Band zu knüpfen, das lebenslang bestehen bleibt.

Unsere 3 Top-Tipps zum Wochenbett

  • Nimm das Wochenbett wörtlich: Verbringe mindestens die erste Woche nach der Geburt mit deinem Kind im Bett.
  • Organisiere dir frühzeitig Hilfe und Unterstützung! So kannst du dich stressfrei auf dich und dein Baby konzentrieren.
  • Es ist okay, auf Tauchstation zu gehen: Nimm dir sechs bis acht Wochen Zeit, um ganz in Ruhe in deiner neuen Elternrolle anzukommen.