Teilzeit arbeiten, aber richtig: So trittst du erfolgreich kürzer

Arbeitszeit reduzieren ist einfacher, als viele denken. Stellst du es richtig an, bringst du deine Work-Life-Balance ins Gleichgewicht und entgehst typischen Stolperfallen.

Frau am Meeresstrand spritzt mit Bein Wasser weg.
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Früher in den Feierabend starten und das Leben genießen. Ein Teilzeitjob bedeutet mehr Zeit für Familie und Hobbys. Beim Schlagwort Teilzeit denken viele an eine 20-Stunden-Woche. Doch das ist nur der Klassiker unter den Zeitmodellen. Wichtig ist, dass du dich für die richtige Variante entscheidest. Bedenke auch mögliche Nachteile, damit du beispielsweise nicht in die gefürchtete Teilzeitfalle tappst.

Zusammenfassung

  • Generell hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Teilzeit.
  • Es empfiehlt sich, mögliche Nachteile auf Karriere und Finanzen abzuwägen.
  • Mit dem Zeitmodell triffst du eine wichtige Entscheidung.

Halbtags arbeiten oder weniger Tage pro Woche: Zeitmodelle im Überblick

  • Klassisches Modell: Hierbei verkürzt du deine Arbeitszeit stundenweise und gleichmäßig. Es steht fest, wann genau du arbeitest, z. B. Montag bis Freitag von 9:00 bis 14:00 Uhr, also 20 Stunden pro Woche. Dadurch hast du jeden Tag mehr Zeit für andere Dinge und hältst den Planungsaufwand für Arbeitgeber und Kollegen gering.
  • Variables Arbeiten in Teilzeit: Es ist auch möglich, die Arbeitszeit auf weniger Tage zu verteilen und die Stundenzahl zu variieren. So kannst du mit deinem Arbeitgeber beispielsweise vereinbaren, jeden Mittwoch und Donnerstag 5 Stunden und am Freitag 4 Stunden zu arbeiten. Bei schwankendem Arbeitsaufkommen eignet sich eine noch flexiblere Lösung. Dabei gehst du immer nur dann ins Büro oder Geschäft, wenn Aufgaben anstehen. Allerdings schwankt dadurch auch deine wöchentliche und monatliche Arbeitszeit.
  • Im Team halbtags arbeiten: Dieses Konzept bedeutet noch flexiblere Arbeitszeiten und mehr Spielraum. Wer wann und wie lange tätig ist, wird hierbei im Team besprochen. Die Arbeitszeit kann entsprechend des Bedarfs variieren. Der Arbeitgeber gibt lediglich vor, dass zu bestimmten Zeiten ein oder mehrere Mitarbeiter anwesend sein müssen.
  • Vollzeitnahe Verkürzung: Ab 30 Stunden pro Woche spricht man von diesem Modell. Diese Variante verändert eingespielte Routinen am wenigsten. Daher ist sie auch für Führungskräfte gut realisierbar. Angenommen, du willst wöchentlich 32 Stunden arbeiten; dann kannst du dir bei diesem Modell entweder einen ganzen Tag für die Familie frei halten oder an zwei Tagen früher gehen, um zum Beispiel das Fußballtraining deiner Kinder nicht zu verpassen.
  • Jobsharing und Teilzeitjob: Hierbei teilst du dir deine Stelle mit einem anderen Mitarbeiter. Dadurch könnt ihr wichtige Kundenprojekte wie gewohnt abschließen und du behältst die Verantwortung. Mit diesem Argument überzeugst du vielleicht deinen Arbeitgeber von der Teilzeitarbeit. Wichtig ist, dass du dich mit deinem Tandempartner gut absprichst. Die Aufteilung der Arbeitszeit kann nach klassischem Modell oder variabler Variante erfolgen.
  • Teilzeit Invest: Bei diesem Modell wird nicht halbtags gearbeitet, sondern zunächst Vollzeit, die Vergütung ist aber die eines Teilzeitjobs. Teilzeitarbeit ergibt sich vielmehr auf das ganze Jahr gerechnet: Auf einem Arbeitszeitkonto sammelst du Stunden an, die du später abbaust. Denkbar sind längere Pausen wie beispielsweise ein Sabbatical. Der Vorteil: Für die Auszeit behältst du deine Stelle. Durch die Gehaltsfortzahlung profitierst du von vollem Sozialversicherungsschutz und Steuervergünstigungen.

Teilzeitmodelle nach Zweck

Die Gründe für einen Teilzeitjob können sehr verschieden sein. Ob Kinderbetreuung oder die Pflege kranker Familienangehöriger: Dient die Teilzeit einem gesetzlich anerkannten Zweck, ist dies mit bestimmten Rechten und Pflichten verbunden. Was viele nicht wissen: Arbeitnehmer brauchen nicht zwingend einen Grund für ihren Wunsch angeben, künftig in Teilzeit zu arbeiten. Generell kommen bei diesen Modellen alle Zeitkonzepte infrage, die sich im Betrieb umsetzen lassen.

  • Elternzeit: Im Rahmen der Kinderbetreuung haben Mütter und Väter einen Teilzeitanspruch von bis zu 3 Jahren.
  • Familienpflegezeit: Für die Unterstützung pflegebedürftiger Angehöriger darfst du deine Arbeitszeit bis zu 2 Jahren lang verkürzen.
  • Pflegezeit: Um nahe Verwandte zu Hause zu pflegen, hast du das Recht, bis zu 6 Monate lang kürzer zu treten.
  • Brückenteilzeit: Hierfür brauchst du keinen Grund. Das Recht auf Rückkehr zur Vollzeittätigkeit ist hierbei der große Pluspunkt. Auch für die Elternzeit kannst du dieses Modell wählen. Allerdings ist es an weitere Bedingungen geknüpft.

Teilzeit arbeiten: Die vielen Vorteile

Warum Teilzeit arbeiten? Trotz der damit einhergehenden Gehaltseinbußen gibt es gute Gründe, die dafür sprechen. Arbeitest du in Teilzeit, kannst du mehr Zeit mit Partner, Familie und Freunden verbringen. Schaufelst du dir ein paar Stunden frei, schaffst du den Spagat zwischen Beruf und familiären Pflichten. Auch wenn du deine betagten Eltern lieber selber pflegen möchtest, gelingt dir mit Teilzeitarbeit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser.

Abgesehen davon spricht die bessere Work-Life-Balance dafür, Teilzeit zu arbeiten. Es ist einfacher, einen Ausgleich zu schaffen. Wer halbtags arbeitet, verpasst schließlich keine Sportkurse und Trainingszeiten. Hobbys beugen Stress vor, und das kommt deiner Gesundheit zugute. Wer früher Feierabend macht, ist oftmals motivierter und produktiver; bei erhöhter Konzentration lassen sich viele Aufgaben auch in kürzerer Zeit erledigen.

Wenn du Teilzeit arbeitest, bringt dies noch mehr Vorteile mit sich: Du hast mehr Zeit für Ehrenämter oder Fort- und Weiterbildungen. Viele Arbeitgeber schätzen ehrenamtliches Engagement und honorieren, dass sich Mitarbeiter mehr fachliches Know-how aneignen.

Kehrseiten der verkürzten Arbeitszeit

Du spielst mit den Gedanken, Teilzeit zu arbeiten? Dann solltest du dir auch mögliche Nachteile vor Augen führen.

Arbeitest du in Teilzeit, verdienst du weniger. Überlege dir, ob du mit dem kleineren Gehalt über die Runden kommst. Auch dein Rentenanspruch verringert sich dadurch. Groß ist das finanzielle Risiko bei flexiblen Modellen. Schwankt das Arbeitsaufkommen, ist auch dein monatliches Einkommen nie gleich hoch. Sichere dich lieber ab, indem du eine Mindeststundenanzahl vertraglich festhältst. Allerdings kann sich ein geringeres Gehalt auch günstig auf den Nettostundenlohn auswirken und sich in steuerlicher Hinsicht auszahlen.

Wäge auch ab, ob ein Teilzeitjob einen Karriereknick bedeuten könnte. Die Chancen auf eine begehrte Führungsposition sinken damit möglicherweise. Dass kürzere Arbeitszeiten die Karriere bremsen, zeigt die Statistik. Jedoch muss dies zwangsläufig nicht für jeden Betrieb zu treffen. Es gibt auch Arbeitgeber, die Verständnis für die doppelte Belastung durch Familie und Pflege haben.

Es gibt keine hundertprozentige Garantie dafür, dass du deine Stundenanzahl wieder erhöhen kannst. Bist du später auf ein höheres Einkommen angewiesen oder die Kinder inzwischen älter, kannst du nicht ohne weiteres zur Vollzeit zurückkehren. Nur bei der Brückenteilzeit besteht ein Rückkehranspruch, jedoch nicht vor Ende des vereinbarten Zeitraums.

Da das Modell an eine bestimmte Beschäftigungszahl gebunden ist, kommt es allerdings nur für circa 40 Prozent aller deutschen Arbeitnehmer infrage. Weist der Arbeitgeber nach, dass es keine entsprechende freie Stelle gibt, sitzt du ebenfalls in der Teilzeitfalle.

Teilzeit arbeiten: Was du beachten solltest

Bevor du Teilzeit beantragst, empfiehlt es sich, ein paar rechtliche Aspekte zu beachten.

  • Wer hat Anspruch auf Arbeiten in Teilzeit? Im Prinzip hat jeder Arbeitnehmer Recht darauf. Das gilt auch für Auszubildende und freie Mitarbeiter. Es setzt nur voraus, dass du seit mindestens 6 Monaten angestellt bist und deine Firma mehr als 15 Beschäftigte aufweist. Nur aus dringenden betrieblichen Gründen kann dir die Teilzeit verwehrt werden. Für Brückenteilzeit gibt es weitere Einschränkungen.
  • Urlaubsanspruch: Das Zeitmodell, für das du dich entscheidest, beeinflusst deinen Urlaubsanspruch. Es sei denn, dein Arbeitsvertrag räumt dir mehr Urlaub als das gesetzliche Minimum ein. Keine Abstriche machst du, wenn du an jedem Wochentag Teilzeit arbeitest. Bist du nicht jeden Tag präsent, reduziert sich die Anzahl der Urlaubstage anteilig.
  • Stress statt Freizeit: Gehst du in Teilzeit, sollte auch dein Arbeitspensum kleiner werden. Nicht wenigen passiert es, dass sie unbezahlte Überstunden machen, statt Freizeit dazuzugewinnen. Gerade, wenn du auch privat für deine Vorgesetzten erreichbar bist, läufst du Gefahr, Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben helfen. Auch das Zeitmodell sollte passen. Für Teilzeitkräfte, die auf Abruf am Wochenende arbeiten, kann die verkürzte Arbeitszeit mehr Stress bedeuten.


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