Work-Life-Balance: Ein Konzept und seine Tücken

Die Work-Life-Balance wird für viele Menschen immer wichtiger. Auch Arbeitgeber reagieren mit entsprechenden Angeboten. Worauf kommt es beim Gleichgewicht zwischen Berufs- und Privatleben wirklich an?

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Machst du nach deiner eigentlichen Arbeitszeit eine Aufgabe noch schnell zu Hause fertig oder checkst du auch am Wochenende deine Job-E-Mails? Oft verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Freizeit. Mit der richtigen Work-Life-Balance, dem Konzept für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Berufs- und Privatleben, soll das anders sein. Die wirklich wichtigen Dinge sollen wieder stärker in den Fokus rücken. Dinge, die dich erfüllen. Aber ist das wirklich notwendig?

Zusammenfassung

  • Als Work-Life-Balance wird ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Privat- und Berufsleben bezeichnet.
  • Das Konzept der Work-Life-Balance wird oft falsch interpretiert. Empfindest du deine Arbeit als sinnvoll, ist das Bedürfnis nach permanentem Ausgleich zwischen Privat- und Berufsleben geringer. Ein gesundes Maß ist aber auch hier wichtig.
  • Benefits von Arbeitgebern wie flexiblere Arbeitszeiten oder Home-Office-Optionen können die individuelle Zeiteinteilung erleichtern, sollten die Zufriedenheit mit dem eigenen Job aber nicht in der Hintergrund stellen.

Work-Life-Balance: Was ist das eigentlich?

Als Work-Life-Balance wird ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Privat- und Berufsleben bezeichnet. Im Idealfall kommen weder persönliche Interessen noch berufliche Verpflichtungen zu kurz. Das Ziel: ein ausgeglichenes, erfülltes Leben, bei dem genug Zeit für Familie, Freunde und Hobbys bleibt, ohne dass berufliche Ziele darunter leiden.

Work-Life-Balance-Modelle von Arbeitgebern

Auf das Konzept der richtigen Work-Life-Balance setzen auch immer mehr Unternehmen. Sie bieten selbstbestimmte Arbeitsmodelle und betriebliche Zusatzleistungen an, um die Arbeitsplatzattraktivität zu erhöhen und qualifizierte Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.

Flexible Arbeitszeiten und Modelle wie Jobsharing oder Home-Office sollen dir eine flexiblere Zeiteinteilung ermöglichen. Ein betriebseigenes Fitnessstudio oder die Kostenbeteiligung an der Mitgliedschaft in einem nahegelegenen Studio sollen dir den Ausgleich durch körperliche Aktivität ermöglichen. Im Betriebskindergarten weißt du deine Kinder gut versorgt, auch wenn einmal Überstunden anfallen. Regelmäßig stattfindende Betriebsfeste sollen den Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl steigern.

Natürlich haben diese Benefits ihre Vorteile – vor allem, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht – aber sie sind teilweise auch mit Vorsicht zu genießen. Denn eigentlich hängt es von anderen Dingen ab, ob man zufrieden ist oder versucht, einen bestmöglichen Ausgleich zur Arbeit zu finden.

Das Work-Life-Balance-Konzept und seine fehlerhafte Interpretation

In den vergangenen Jahren haben Erkrankungen, hervorgerufen durch dauerhaften Arbeitsstress, deutlich zugenommen. Als Reaktion darauf entstand das Konzept von der Work-Life-Balance, bei dem man dem Privatleben wieder mehr Raum gibt. Vom Ansatz her ist dieses Konzept sicherlich richtig, trotzdem hat es seine Tücken. Denn ihm liegt die Vorstellung zugrunde, dass Arbeit negativ und Freizeit positiv ist.

Dabei muss das nicht so sein. Entscheidender ist, ob die Arbeit als sinnvoll wahrgenommen wird. Erst wenn das der Fall ist, kann so etwas wie ein Gleichgewicht entstehen. Beziehungsweise ist der Ausgleich dann gar nicht so sehr notwendig. Dabei hängt es von dir ab, was du als sinnvoll erachtest. Den einen erfüllt ein Job, in dem er Menschen helfen kann. Den andern ein Job, in dem er seine Kreativität ausleben kann. Natürlich ist es trotzdem wichtig, ein für sich gesundes Maß zu finden und ausreichend Raum für Hobbys und Familie zu schaffen.

Work-Life-Balance: 3 Tipps, die beim Ausgleich helfen können

Das Work-Life-Balance-Konzept mag seine Fehler haben. Trotzdem kannst du selbst etwas dafür tun, dass du zufriedener und ausgeglichener bist – im Alltag und der Freizeit:

  1. Analysiere dich und deine Bedürfnisse: Der erste Schritt in Richtung einer besseren „Work-Life-Balance“ ist die Selbstanalyse. Was sind deine Werte, Bedürfnisse und Ziele im Leben? Wo liegen deine Stärken und Schwächen? Wie belastbar bist du? Wenn du diese Fragen für dich beantworten kannst, fällt die Berufswahl und die Wahl des Arbeitgebers einfacher. Denn wenn du deinen Job als Befriedigung und nicht als Last oder Stressfaktor empfindest, bist du produktiver und insgesamt zufriedener.
  2. Finde deinen eigenen Rhythmus: Unser Biorhythmus variiert. Einige Menschen sind morgens und vormittags am leistungsfähigsten, andere starten erst in den Abendstunden richtig durch. Gehörst du zu den sogenannten Lerchen, wird es dir schwerer fallen, komplexe Probleme am Abend zu lösen. Bist du hingegen eine Eule, läufst du abends wahrscheinlich zur Hochform auf. Hast du deinen Rhythmus gefunden, kannst du deine Energie besser einteilen und nutzen. Flexible Arbeitszeiten können dabei natürlich hilfreich sein. Nach 90 Minuten empfiehlt es sich übrigens grundsätzlich, eine kleine Arbeitspause einzulegen, da dann die Konzentration nachlässt.
  3. Pflege Kontakt zu Arbeitskollegen: Ein angespanntes Verhältnis zu Kollegen oder Isolation können Stress auslösen und zur Belastung werden. Versuche, Konflikte intern und sachlich zu lösen und bemühe dich um einen guten Kontakt zu Arbeitskollegen. Es geht nicht darum, mit jedem befreundet zu sein, aber eine positive Grundstimmung und eine angenehme Arbeitsatmosphäre können wahre Wunder wirken.


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