Die kirchliche Trauung: Katholisch, evangelisch oder ökumenisch?

Vielen Paaren ist der kirchliche Segen ihrer Heirat sehr wichtig. Allerdings gibt es nicht die eine kirchliche Zeremonie; eine katholische und eine evangelische Trauung unterscheiden sich voneinander. Das hat auch auf Auswirkungen auf Paare, die ökumenisch heiraten möchten.

Braut steckt Bräutigam den Ring auf, im Hintergrund steht der Priester.
Wedding Photography / unsplash.com

Das erste Ja-Wort gibt sich das Paar auf dem Standesamt. Aber erst die kirchliche Trauung gibt vielen Frischvermählten das Gefühl, „richtig“ geheiratet zu haben. Für die einen ist es schlicht eine Tradition, die Ehe in derselben Kirche wie ihre Eltern oder Großeltern zu schließen. Andere wünschen sich ganz bewusst Gottes Segen für die Partnerschaft.

Doch in welcher Form soll die kirchliche Trauzeremonie stattfinden? Denn die „eine“ kirchliche Hochzeit gibt es nicht gibt. Generell unterscheidet man die katholische, die evangelische und die gemeinsame kirchliche („ökumenische“) Trauung. Voraussetzungen, Ablauf und Gestaltung einer Trauung sind je nach Konfession ganz unterschiedlich geregelt. Eine rechtzeitige Planung ist daher sinnvoll.

Unsere 3 Top-Tipps zur kirchlichen Trauung

  • Führt so früh wie möglich das Traugespräch mit dem Pfarrer bzw. dem Pastor/der Pastorin. Damit stellt ihr sicher, dass die Trauzeremonie auch so abläuft, wie ihr euch sie vorstellt.
  • Bei einer kirchlichen Trauung ist es eigentlich üblich, dass die Brautleute gemeinsam in die Kirche einziehen. Die Variante „Vater führt Braut zum Altar“ ist eher aus Hollywoodfilmen bekannt – manche Pfarrer oder Pastoren erlauben sie aber.
  • Auch wenn der formale Ablauf einer kirchlichen Hochzeit meist vorgegeben ist, könnt ihr euch sowie eure Familie und Freunde bei der Gestaltung des Gottesdienstes jederzeit einbringen: zum Beispiel bei Fürbitten, Lesungen, Liedern und der Musik.

Die katholische Trauung

Nach Vorstellung der katholischen Kirche gehört die Ehe zu den sieben Sakramenten. Ein Sakrament – die lateinische Wurzel „sacer“ bedeutet „heilig“ – ist eine rituelle Handlung, die das Wirken Gottes in der Welt sichtbar macht. Während Sakramente wie die Taufe (die Befreiung des Täuflings von seinen Sünden und seine Aufnahme in die Kirche) oder die Eucharistie (die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi) durch einen Geistlichen gespendet werden, spenden sich Braut und Bräutigam das Sakrament der Ehe gegenseitig.

Aufgrund ihrer immensen Bedeutung kann eine katholische Ehe nicht geschieden werden. Allenfalls ist eine Annullierung möglich. Bei dieser muss aber ein Kirchengericht feststellen, dass die Ehe aufgrund fehlender Voraussetzungen gar nicht erst zustande gekommen ist.

Unter welchen Umständen eine Trauung für nichtig erklärt wird, regelt das Eherecht der katholischen Kirche. Nur nach einer solchen Eheannullierung darf ein Katholik ein zweites Mal kirchlich heiraten. Das Eheversprechen ist zwar unauflöslich, gilt aber nur bis zum Tod. Die einzige weitere Möglichkeit zur Wiederverheiratung besteht daher, wenn der erste Partner verstorben ist.

Voraussetzungen

  • Mindestens ein Partner ist katholisch (Nachweis von Taufe und Firmung durch Taufschein).
  • Die Eheschließung erfolgt zwischen Mann und Frau (keine Eheschließung von gleichgeschlechtlichen Paaren möglich).
  • Zwei Trauzeugen sind anwesend.
  • Die standesamtliche Hochzeit ist bereits erfolgt (Nachweis durch Heiratsurkunde).
  • Traugespräch beim zuständigen Pfarrer über die Bedeutung des Eheversprechens (dokumentiert im Ehevorbereitungsprotokoll).

Besonderheiten

In der Regel erfolgt die Trauung durch den Gemeindepfarrer der Heimatgemeinde der Braut. Wollt ihr, dass ein anderer Pfarrer euch traut, oder wollt ihr vielleicht auch in einer anderen Kirche heiraten, ist beides jedoch möglich. Im ersten Fall benötigt ihr die schriftliche Zustimmung des Gemeindespfarrers (die „Dimissoriale“), im zweiten Fall eine Einverständniserklärung des Pfarrers, der für die entsprechende Kirche zuständig ist (die „Überweisung“).

Eine katholische Trauung ist auch dann möglich, wenn nur einer von euch beiden katholisch ist. In diesem Fall muss der andere – egal, ob evangelisch oder konfessionslos – aber der Unauflöslichkeit der Ehe zustimmen und den Wunsch nach gemeinsamen Kindern bejahen. Zudem muss er zusichern, die Kinder im katholischen Glauben zu erziehen.

Ablauf

Bei der katholischen Trauung habt ihr die Wahl zwischen einer Feier im Rahmen eines Wortgottesdienstes und einer Heiligen Messe. Bei der zweiten Variante kommt die Eucharistiefeier, also die Wandlung von Brot und Wein, hinzu. Diese Form wird auch als Brautmesse bezeichnet. Sie feiert man in der Regel, wenn beide Brautleute katholisch getauft sind. Ist einer der Partner nicht getauft oder gehört einer anderen Religion an, erfolgt die Trauung während eines Wortgottesdienstes.

Wortgottesdienst

  • Eröffnung (mit Einzug in die Kirche, Begrüßung des Brautpaares, Tagesgebet, …)
  • Wortgottesdienst (mit Lesung und Evangelium, Ansprache des Pfarrers, Fürbitten, …)
  • Trauung (mit Befragung des Brautpaares, Segnung der Eheringe, Trauversprechen, Trauungssegen)
  • Abschluss (mit Liedern und Segen)

Eucharistiefeier

  • Eröffnung (mit Einzug in die Kirche, Begrüßung des Brautpaares, Tagesgebet, …)
  • Wortgottesdienst (mit Lesung und Evangelium, Ansprache des Pfarrers, Fürbitten, …)
  • Trauung (mit Befragung des Brautpaares, Segnung der Ringe, Trauversprechen, Trauungssegen)
  • Eucharistiefeier (mit Gabenbereitung, Friedensgruß, Kommunion, …)
  • Abschluss (mit Liedern und Segen)

Dauer

Während ein Wortgottesdienst ungefähr 30 bis 45 Minuten dauert, solltet ihr bei einer Brautmesse mit 60 bis 90 Minuten planen.

Musikalische Gestaltung

Auf die Dauer der Trauung hat vor allem die musikalische Gestaltung Einfluss: Mit dem Auftritt eines Sängers oder einer Sängerin bzw. des Kirchenchores verlängert sich die Zeitspanne meistens deutlich, bei einer Brautmesse oft um mehr als eine Stunde.

Ihr solltet daran denken, auch Lieder aufzunehmen, sodass die geladenen Gäste und die anwesende Gemeinde während des Gottesdienstes mitsingen können und auf diese Weise in die Trauung eingebunden sind. Passende Stellen für Gemeindelieder sind während der Eröffnung, nach der Trauung oder zum Dank.

Trauspruch

Bei einer katholischen Hochzeit dient der Trauspruch als geistliches Leitwort für das weitere Leben zu zweit. Dabei kann es sich um eine passende Stelle aus der Bibel handeln, möglich sind auch kurze literarische oder philosophische Passagen, die für das Brautpaar eine besondere Bedeutung haben. Das Online-Portal katholisch.de hat eine kommentierte Liste mit den 10 schönsten Trausprüchen für eine katholische Trauung zusammengestellt.

Die evangelische Trauung

Anders als bei den Katholiken ist die evangelische Trauung kein Sakrament, sondern „ein weltlich Ding“ – so schon Martin Luther. Daher findet der Gottesdient auch nur als geistliche Feier aus Anlass der vorherigen standesamtlichen Eheschließung statt. In der evangelischen Kirche ist der liturgische Rahmen auch nicht so umfangreich wie bei den Katholiken. So sind beispielsweise keine Trauzeugen vorgeschrieben, aber dennoch möglich.

Auch die evangelische Kirche sieht eine Ehe als eine ganz besondere Form der Lebensführung an. Da aber nach evangelischem Verständnis die Ehe kein Sakrament ist (anders als beispielsweise die Taufe), kann sie auch wieder geschieden werden. Im Prinzip ist es demnach evangelischen Christen nach einer Scheidung erlaubt, ein zweites Mal kirchlich zu heiraten.

Auch gleichgeschlechtliche Paare können oft evangelisch heiraten, die Zeremonie kann aber vom Pastor bzw. der Pastorin aufgrund persönlicher Überzeugungen abgelehnt werden. Doch viele Gemeinden stehen der Eheschließung schwuler und lesbischer Paare mittlerweile offen gegenüber – eine Nachfrage bei eurer Heimatgemeinde lohnt sich daher. Sollte keine Trauung im engeren Sinn möglich sein, kann zumindest die Eheschließung während eines Gottesdienstes gesegnet werden.

Voraussetzungen

  • Mindestens ein Partner ist evangelisch (Nachweis von Taufe und Konfirmation in Taufschein).
  • Die Eheschließung erfolgt zwischen Mann und Frau (eine gleichgeschlechtliche Trauung ist oftmals aber auch möglich).
  • Trauzeugen sind in der evangelischen Kirche nicht vorgeschrieben, auf Wunsch aber möglich.
  • Die standesamtliche Hochzeit ist erfolgt (Nachweis durch Heiratsurkunde).
  • Traugespräch beim zuständigen Pastor / der zuständigen Pastorin.

Besonderheiten

Generell sollte die Trauung in der Kirche eurer Heimatgemeinde stattfinden. Wollt ihr in einer anderen Kirche heiraten, braucht ihr dafür eine schriftliche Bescheinigung eurer zuständigen Pastorin / eures zuständigen Pastors („Dimissoriale“).

Ablauf

Die evangelische Trauung findet in der Regel im Rahmen eines Gottesdienstes statt. Auf Wunsch ist die Traufeier auch mit gemeinsamem Abendmahl möglich.

  • Einzug in die Kirche (entweder das Brautpaar gemeinsam oder die Braut mit Brautführer)
  • Eröffnung (mit Begrüßung, Lied, Gebet und Lesung aus der Bibel)
  • Predigt/Ansprache
  • Trauung (mit Traufrage, Ja-Wort, Trauversprechen, Ringtausch und Segen)
  • Lieder und Fürbitten
  • Schluss (mit Auszug des Brautpaares)

Dauer

Eine evangelische Trauung dauert etwa 45 bis 60 Minuten.

Musikalische Gestaltung

Bei einer sehr umfangreichen musikalischen Unterstützung (Orgel, Posaunenchor, Sänger/Sängerin, Kirchenchor) verlängert sich die Dauer in der Regel um 15 bis 30 Minuten. Wie bei der katholischen Trauung sollte die anwesende Festgemeinde durch gemeinsam gesungene Lieder in den Gottesdienst miteinbezogen werden.

Trauspruch

Seine Ehe mit einem Trauspruch unter ein „Motto“ zu stellen, ist eine urprotestantische Tradition. Anders als bei den Katholiken, die dieses Element übernommen und erweitert haben, kommen bei einer evangelischen Trauung aber nur Bibelverse infrage. Grundsätzlich könnt ihr jeden Bibelvers wählen. Die meisten Paare bevorzugen aber Trausprüche, die entweder die Liebe thematisieren oder einen persönlichen Bezug haben. Auf dem Online-Portal evangelisch.de findet ihr die 10 beliebtesten Bibelverse, die sich als Trausprüche für die evangelische Trauung eignen.

Die ökumenische Trauung

Wenn der eine Partner katholisch und der andere evangelisch ist, wollen viele Paare sich nicht für eine Trauung in einer bestimmten Konfession entscheiden. Stattdessen wünschen sich viele, einfach „ökumenisch“ zu heiraten – am besten mit einer Zeremonie, die etwa im gleichen Umfang Elemente aus beiden Konfessionen enthält. Das verwundert auch kaum, zumal heute – im Gegensatz zu früheren Zeiten! – weder die katholische noch die evangelische Kirche auf einem Konfessionswechsel vor der Hochzeit besteht.

Formal gesehen könnt ihr aber gar nicht ökumenisch heiraten. Denn die Kirchen haben sich nur auf eine „gemeinsame kirchliche Trauung“ verständigt. Bei dieser Form handelt es sich entweder um eine katholische Hochzeit, bei der auch eine evangelische Pastorin oder ein evangelischer Pastor mitwirkt. Oder es ist eine evangelische Trauung unter Beteiligung eines katholischen Pfarrers.

Kirchenrechtlich gesehen müsst ihr euch weiterhin für eine der beiden konfessionellen Varianten entscheiden. Den Ausschlag gibt in der Regel die Kirche, in der ihr heiratet. Auch der Ablauf der ökumenischen Trauung orientiert sich dann an der Zeremonie der entsprechenden Konfession.

Besonderheiten

Findet die ökumenische Hochzeit in einer evangelischen Kirche unter der Hauptverantwortung des evangelischen Pastors/der Pastorin statt, benötigt der katholische Partner dafür die schriftliche Erlaubnis seines zuständigen Pfarramtes. Liegt diese „Zession“ nicht vor, wäre die Trauung nach katholischer Auffassung unwirksam.

Die freie Trauung

Wenn ihr der Kirche als Institution kritisch gegenübersteht, ein Partner bereits geschieden wurde oder ihr generell nur einen geringen oder gar keinen religiösen Bezug habt, ist für euch möglicherweise die freie Trauung eine passende Alternative zur kirchlichen Zeremonie.


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